Chezminismus-Roulette
Mein CHEZminismus
Sabrina Zwach
Mein Chezminismus ist weiblich, darf sexy sein, darf hohe Schuhe tragen.
Mein Chezminismus mag Männer und Frauen und alle anderen Geschlechter.
Mein Chezminismus darf heiraten und darf sich scheiden lassen.
Mein Chezminismus mag alle Lebensformen des friedlichen Miteinanderlebens, ist undogmatisch aber akzeptiert kein Denken, in dem Gleichstellung nicht angelegt ist.
Mein Chezminismus streitet gerne, kämpft für die Sache mit Leidenschaft.
Mein Chezminismus denkt an die Zukunft, die nachkommenden Generationen, rührt weniger in der Geschichte, will voran kommen.
Mein Chezminismus liebt die Sprache und fragt noch, wie sie klingen soll.
Mein Chezminismus hat noch keine Lösung über die sprachliche Abbildung der Anderen, die nicht männlich sind.
Mein Chezminismus lässt sich die Tür aufhalten ohne sauer zu werden. Mein Chezminismus darf sich widersprechen.
Mein Chezminismus hat Humor. Mein Chezminismus mag die Frauenquote.
Mein Chezminismus weiß, dass stereotypische Rollenbilder irgendwo her kommen – aus der Realität? Und dass diese langsamer ist als mein Denken.
Mein Chezminismus kennt viele tolle Frauen, die es geschafft haben. Was?
Mein Chezminismus kämpft mit den Wechseljahren.
Mein Chezminismus steckt vor dem Spiegel fest und weint über die Falten.
Mein Chezminismus nimmt die Väter in den Arm, die manchmal Quatsch reden.
Mein Chezminismus kann verzeihen, aber duldet keine Bösartigkeiten, kein Festhalten an Privilegien und Dogmen auf der anderen Seite.
Mein Chezminismus stolpert manchmal über eigene Steine.
Mein Chezminismus fällt dann mit den hohen Schuhen auf die Nase und steht auf und macht weiter.
Mein Vater hat einen, mein Bruder hatte einen, also musste ich auch einen haben.
Klar. Keinen zu haben, war eben ein Mangel. Da fehlte was. Viel später, als Erwachsene hatte ich dann gelesen, dass Freud Frauen den Penisneid angedichtet hat, aus seinem pensizentriertem Weltbild heraus. Ich hatte den Penisneid aber, bevor ich Freud buchstabieren konnte. Meinem Vater habe ich viel von meinem Penis erzählt und auch die verschiedenen Verstecke verraten, wo ich ihn lagere.
Mein Vater hat meine damalige Besessenheit von diesem Thema und Objekt sehr ernst genommen und war ein guter Gesprächspartner. Ich habe mir dann angewöhnt, im Stehen zu pinkeln und schnell feststellen müssen, dass ich an der Technik arbeiten muss, wenn ich mit der Strahlweite meines Bruders mithalten will. Der Zeigefinger meiner rechten Hand diente mir fortan als Hakenhilfsmittel, mit dem ich in den oberen Rand der kleinen Schamlippe fasste und diese maximal nach oben zog. Mit dieser Technik konnte ich absolut mithalten, ich gewann sogar den ein oder andere Weitpinkelwettbewerb gegen meinen Bruder. Irgendwann haben meine Eltern mich dann zum Psychologen geschickt, nicht nur wegen des Penisneids, nein, da waren noch andere Sachen nicht ganz richtig justiert und so muss ich den Neid in Sitzungen mit einem Mann (sic!) überwunden haben. Erinnern kann ich mich an keine einzige Sitzung beim Psychologen. Später gab es noch zwei Dinge, die mich penismässig beeindruckten: Der harte, der errigierte Penis und das Abspritzen. Der harte Penis gefiel mir gar nicht. Er veränderte den Penis, den ich kannte, grundlegend. Nix war beim Alten, kein Stein blieb auf dem anderen, das war Trickbetrug vom Feinsten. Ich stellte mir immer vor, dass meine Brüste so was hinlegten. Kaum öffnet ein Mann meine Bluse, mutieren meine Brüste zu harten, nach oben stehenden, pulsierenden Dingern, Rohren, die jede Weichheit verlieren. Wow, was wäre denn da los? Das Abspritzen hat mich einfach nur noch genervt, weil Männer selbst beim Sex materielle Erfolge heimfahren, während man Frauen fragt, ob sie denn schon gekommen wären. Ich wollte auch sichtbare Erfolge, Materielles, Beweise. Über diese himmelschreiende Ungerechtigkeit bin ich eigentlich bis heute stinksauer.
Oder: Die tiefergelegte Frauenzeitschrift als Buch
von Gesine Danckwart, Anna Opel und Sabrina Zwach
Kennen Sie das, dieses Gefühl, dieses „warum ist das nichts für mich“? Und dann liest man sich doch hinein, in die Tips für die anderen:
Denen, die ganz Frau sind und für die dieses Magazine gemacht sind- Frauenmagazine oder für die Männer- Männermagazine, Eindeutigkeitsratgeber, die ganz eindeutig auch mit der Zeit gehen, problembewusster werden, klüger werden, sich für Womans- Achtung Alter- öffnen und trotzdem ein Modell von so sein produzieren, vor dem man – ich, wir- immer wieder kapitulieren.
Bin ich nicht schön genug, zu viel Haare auf den Zähnen, zu wenig Oberflächenglanz, Weichheit, Weiblichkeit und dennoch das kleine Schwarze für welchen Anlass auch immer im Ankleidezimmer?
Noch nicht mal eine aktuelle Trennungsgeschichte. Ist mein Body auch positiv, wenn ich das nicht fühle und wie komm ich vielleicht mal dahin?
Was verdammt noch mal heißt denn, bin ich gut im Bett? Oder: Wie werde ich untemrum frei und ist mein romantic life dann endlich im Lot? Deko-Tips, Psychotest. Welcher Karrieretyp bin ich? Pflegeprodukte, Frisurentrends und dann natürlich Rezepte und das Horoskop. Bild der Frau zählt zu den umsatzstärksten Zeitschriften in Deutschland mit rund 107 Millionen Euro Jahresumsatz, die Brigitte folgt mit circa 101 Millionen. Frauen lesen diese Zeitschriften. Nicht nur aber auch.
Wir wollen uns an all den gängigen Kategorien und Rubriken erfreuen und sie tiefer gelegt,neubetrachtet und umgedichtet in eine andere Richtung treiben. Danckwart/ Opel / Zwach sind allesamt unter anderem Autorinnen – in künstlerischer und journalistischer Richtung. Sie kommen vom Theater, Film, Fernsehen. Aus der Auseinandersetzung mit Rollen, performativen Fragen der Branche, dem besonderen Einblick in die dunkel anachronistische Theater- und Medienwelt, in der immer noch die meisten Intendanten und Regisseure Männer sind, in der Schauspielerinnen aus Prinzip nie mehr als Größe 36 tragen, in der ab 50 der Vorhang nicht hoch geht, bzw. die Klappe fällt- und es kaum Rollen für Frauen jenseits der Gebärfähigkeit bis sie dann als komische Alte ihren letzten Auftritt haben, werden wir unseren besonderen Spin nehmen. In den letzten Jahren haben wir uns in einer künstlerischen Recherche in Wien am Burgtheater startend und jetzt an der Deutschen Oper in Berlin mit Identitäten auf der Bühne auseinandergesetzt (theblondproject). Aus dieser langen Arbeitsphase wollen wir Materialien und Fragen übernehmen. Wir haben eine Vielzahl von Interviews geführt, sind mit Schauspielerinnen, Besetzerinnen, Redakteuren, Komödiantinnen im Gespräch.
Wir wollen unser aller ein ultimatives Magazin produzieren. Schön Schön- Für alle, problemorientiert, glücklichmachend, erkenntnisreich und funny. Andere Bildstrecken werden entstehen und andere Themen gesetzt. Das Horoskop fällt ziemlich sicher weg.
Eine bilderreiche Collage mit Interviews, assoziativen Strecken, Kochrezepten und Witzen fürs Überleben. Wir wollen nach der Performance von Chefinnen fragen- Körpermaße neu erzählen. In unserer Make Up Rubrik befragen wir eine Maskenbildnerin, was die neuen chirurgischen Techniken mit den Gesichtern machen und was davon erzählt werden darf. Was darf denn gezeigt werden? Welches Alter sehen wir, wenn wir eine Frau um die 45 sehen? Ist James Bond in der zweiten Lebenshälfte?
Editorials hoch 3
- DER GROSSE UMBAUoder Ein gesellschaftliches MAKEOVER in dem Männer die Welt wieder irgendwann bewegen und verändern werden, aber anders. Die Stunde der Frauen hat geschlagen. Nie gab es so viele gut ausgebildete, kluge, selbstbewusste, mutige Frauen wie heute. Und Männer werden die Welt sicher wieder bewegen und verändern, sagt man, irgendwann, aber anders, nicht mehr alleine. “Es ist heutzutage… DER GROSSE UMBAU weiterlesen
- EditorialDieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden,… Editorial weiterlesen
- Editorial MissHerzlich willkommen zum tiefergelegten Genderjournal. Ein Buch für Sie und Ihn und Sihn. Und ein Versuch, das Morgen der Geschlechterjustice herbeizuschreiben und herbeizubildern. Mit Mode und Schminktipps jenseits von Mann und Frau. Wie konnte das aussehen und wie könnte sich das anfühlen?Welche Outfits und Rezepte brauchen wir für eine Zukunft, die nicht auf binär basiert,… Editorial Miss weiterlesen
