Chezminismus-Roulette
TITS ANS ASS Oder MISS VERSTÄNDNIS
„Dance: ten; Looks; three,“
(Audrey Landers, 1975, aus: A Chorus Line)
Is like to die!
Left the theatre and
Called the doctor for
My appointment to buy…
Tits and ass.
Bought myself a fancy pair.
Tightened up the derriere.
Did the nose with it.
All that goes with it.
Die tiefergelegte Frauenzeitschrift als Buch
Next Role Magazin
Leylabell – Mehrwerden ganz ohne Kalorienzählen
The Project.
Neue Rollen- ganz ohne Kalorienzählen
Das neue Projekt. Chez Magazin
Chez Mois. Chez Icke.
von Gesine Danckwart, Anna Opel und Sabrina Zwach
Kennen Sie das, dieses Gefühl, dieses „warum ist das nichts für mich“? Und dann liest man sich doch hinein, in die Tipps für die Anderen:
Denen, die ganz Frau sind und für die dieses Magazine gemacht sind- Frauenmagazine oder für die Männer- Männermagazine, Eindeutigkeitsratgeber, die ganz eindeutig auch mit der Zeit gehen, problembewusster und klüger werden, sich für Womans – Achtung Alter – (verstehe ich nicht) – Weil das der Klassikername für die Zeitschriften ist, die sich an ältere Frauen (über vierzig richten) öffnen und trotzdem ein Modell von so sein produzieren, vor dem man – ich, wir- immer wieder kapitulieren.
Bin ich nicht schön genug, zu viel Haare auf den Zähnen, zu wenig Oberflächenglanz, Weichheit, Weiblichkeit und dennoch das kleine Schwarze für welchen Anlass auch immer im Ankleidezimmer?
Noch nicht mal eine aktuelle Trennungsgeschichte. Ist mein Body auch positiv, wenn ich das nicht fühle und wie komm ich vielleicht mal dahin?
Was verdammt noch mal heißt denn, bin ich gut im Bett? Oder: Wie werde ich untenrum frei und ist mein „romantic life“ dann endlich im Lot? Deko-Tipps, Psychotest. Welcher Karrieretyp bin ich? Pflegeprodukte, Frisurentrends und dann natürlich Rezepte und das Horoskop.
Bild der Frau zählt beispielsweise zu den umsatzstärksten Zeitschriften in Deutschland mit rund 107 Millionen Euro Jahresumsatz, die Brigitte folgt mit circa 101 Millionen. Frauen lesen diese Zeitschriften. Nicht nur aber auch.
Und dann Stars, Sternchen, Influencerinnen. Schauspielerinnen bekannt aus Film, Fernsehen und manchmal – eher selten – aus dem Theater. Meist auf das neue Kind/ den neuen Look/ Mann reduziert. Wir kommen daher. Drei Autorinnen, die aus dem innersten des Theaters kommen oder sich zumindest dort sehr gut auskennen. An einem Ort an dem es um Rollen geht, um die Erarbeitung von Rollen, das Erfüllen, repräsentieren von Rollen. Könnte dieser utopische Ort – das Theater – auch ein Ort sein, der Rollen verändert und neu schreibt? Der Gesellschaft verändert?
Wo bildet sich Frau ab? Wo die Rolle der Frau? Das ist unsere Grundfrage- der wir in diversen assoziativen Feinverästelungen nachgehen wollen und die wir mit besonderem Augenmerk auf die Frage der Bildproduktion und Oberfläche untersuchen wollen. Im Jetzt. Gegengedacht. Wir wollen eine Art Bastelanleitung zur Verfügung stellen. Ein Rollenbuch zum Nachspielen. Für Profis auf dem Set, der Bühne (SchauspielerInnen) und im Leben für uns alle. Die schönere Zukunft der gerechten Genders herbeispielen. Neben der Spur, Varianten des Bekannten.
Wir wollen uns an all den gängigen Kategorien und Rubriken erfreuen und sie tiefer gelegt , neubetrachtet und umgedichtet in eine andere Richtung treiben. Danckwart/ Opel / Zwach sind allesamt unter anderem Autorinnen – in künstlerischer und journalistischer Richtung. Sie kommen vom Theater, Film, Fernsehen. Aus der Auseinandersetzung mit Rollen, performativen Fragen der Branche, dem besonderen Einblick in die dunkel anachronistische Theater- und Medienwelt, in der immer noch die meisten Intendanten und Regisseure Männer sind, in der Schauspielerinnen aus Prinzip nie mehr als Größe 36 tragen, in der ab 50 der Vorhang nicht hoch geht, bzw. die Klappe fällt- und es kaum Rollen für Frauen jenseits der Gebärfähigkeit bis sie dann als komische Alte ihren letzten Auftritt haben, werden wir unseren besonderen Spin nehmen. In den letzten Jahren haben wir uns in einer künstlerischen Recherche in Wien am Burgtheater startend und jetzt an der Deutschen Oper in Berlin mit Identitäten auf der Bühne auseinandergesetzt (theblondproject). Aus dieser langen Arbeitsphase wollen wir Materialien und Fragen übernehmen. Wir haben eine Vielzahl von Interviews geführt, sind mit Schauspielerinnen, Besetzerinnen, Redakteuren, Komödiantinnen im Gespräch.
Wir wollen unser aller ein ultimatives Magazin produzieren. Schön Schön- Für alle, problemorientiert, glücklichmachend, erkenntnisreich und funny. Andere Bildstrecken werden entstehen und andere Themen gesetzt. Das Horoskop fällt ziemlich sicher weg.
Eine bilderreiche Collage mit Interviews, assoziativen Strecken, Kochrezepten und Witzen fürs Überleben. Wir wollen nach der Performance von Chefinnen fragen- Körpermaße neu erzählen. In unserer Make Up Rubrik befragen wir eine Maskenbildnerin, was die neuen chirurgischen Techniken mit den Gesichtern machen und was davon erzählt werden darf. Was darf denn gezeigt werden? Welches Alter sehen wir, wenn wir eine Frau um die 45 sehen? Ist James Bond in der zweiten Lebenshälfte?
Wie entstehen Rollenbilder?
Theater Film und Fernsehen ist ein Ort an dem an Rollen gearbeitet wird. Rollen modifizieren ist das Ziel
Takes/ Kapitel/ Rubriken:
DIY – Do it Yourself
Mode– Crossdressing
Welche Größe will ich tragen?
Hosenrolle
Kraft der Verwandlung
Vorher – Nachher Premiere
Politik – Changemanagement in Sachen Gendergerechtigkeit
Psychologie Arroganztraining f. Frauen (Peter Modler)
Humor als Krisenkiller
Celebrities Berühmte Alkoholikerinnen Bühne/Film und Literatur
Rezepte Tiefkühlkost für Feinschmeckerinnen
Newcomerinnen
Die Hauptrolle Porträt einer erfolgreichen Frau (Intendantin / Politikerin)
Die Ikone im Test Madonna / Chanel / Marilyn Monroe / Michelle Obama
Wie sind erfolgreiche Frauen?
Mein Vater hat einen, mein Bruder hatte einen, also musste ich auch einen haben.
Klar. Keinen zu haben, war eben ein Mangel. Da fehlte was. Viel später, als Erwachsene hatte ich dann gelesen, dass Freud Frauen den Penisneid angedichtet hat, aus seinem pensizentriertem Weltbild heraus. Ich hatte den Penisneid aber, bevor ich Freud buchstabieren konnte. Meinem Vater habe ich viel von meinem Penis erzählt und auch die verschiedenen Verstecke verraten, wo ich ihn lagere.
Mein Vater hat meine damalige Besessenheit von diesem Thema und Objekt sehr ernst genommen und war ein guter Gesprächspartner. Ich habe mir dann angewöhnt, im Stehen zu pinkeln und schnell feststellen müssen, dass ich an der Technik arbeiten muss, wenn ich mit der Strahlweite meines Bruders mithalten will. Der Zeigefinger meiner rechten Hand diente mir fortan als Hakenhilfsmittel, mit dem ich in den oberen Rand der kleinen Schamlippe fasste und diese maximal nach oben zog. Mit dieser Technik konnte ich absolut mithalten, ich gewann sogar den ein oder andere Weitpinkelwettbewerb gegen meinen Bruder. Irgendwann haben meine Eltern mich dann zum Psychologen geschickt, nicht nur wegen des Penisneids, nein, da waren noch andere Sachen nicht ganz richtig justiert und so muss ich den Neid in Sitzungen mit einem Mann (sic!) überwunden haben. Erinnern kann ich mich an keine einzige Sitzung beim Psychologen. Später gab es noch zwei Dinge, die mich penismässig beeindruckten: Der harte, der errigierte Penis und das Abspritzen. Der harte Penis gefiel mir gar nicht. Er veränderte den Penis, den ich kannte, grundlegend. Nix war beim Alten, kein Stein blieb auf dem anderen, das war Trickbetrug vom Feinsten. Ich stellte mir immer vor, dass meine Brüste so was hinlegten. Kaum öffnet ein Mann meine Bluse, mutieren meine Brüste zu harten, nach oben stehenden, pulsierenden Dingern, Rohren, die jede Weichheit verlieren. Wow, was wäre denn da los? Das Abspritzen hat mich einfach nur noch genervt, weil Männer selbst beim Sex materielle Erfolge heimfahren, während man Frauen fragt, ob sie denn schon gekommen wären. Ich wollte auch sichtbare Erfolge, Materielles, Beweise. Über diese himmelschreiende Ungerechtigkeit bin ich eigentlich bis heute stinksauer.
Editorials hoch 3
- DER GROSSE UMBAUoder Ein gesellschaftliches MAKEOVER in dem Männer die Welt wieder irgendwann bewegen und verändern werden, aber anders. Die Stunde der Frauen hat geschlagen. Nie gab es so viele gut ausgebildete, kluge, selbstbewusste, mutige Frauen wie heute. Und Männer werden die Welt sicher wieder bewegen und verändern, sagt man, irgendwann, aber anders, nicht mehr alleine. “Es ist heutzutage… DER GROSSE UMBAU weiterlesen
- EditorialDieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden,… Editorial weiterlesen
- Editorial MissHerzlich willkommen zum tiefergelegten Genderjournal. Ein Buch für Sie und Ihn und Sihn. Und ein Versuch, das Morgen der Geschlechterjustice herbeizuschreiben und herbeizubildern. Mit Mode und Schminktipps jenseits von Mann und Frau. Wie konnte das aussehen und wie könnte sich das anfühlen?Welche Outfits und Rezepte brauchen wir für eine Zukunft, die nicht auf binär basiert,… Editorial Miss weiterlesen
