Chezminismus-Roulette

TITS AND ASS

TITS ANS ASS Oder MISS VERSTÄNDNIS

„Dance: ten; Looks; three,“
Is like to die!
Left the theatre and
Called the doctor for
My appointment to buy…
Tits and ass.
Bought myself a fancy pair.
Tightened up the derriere.
Did the nose with it.
All that goes with it. 

(Audrey Landers, 1975, aus: A Chorus Line)
Editorial

Dieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden, da wo Sie sein wollen, Beruflich erfolgreich, attraktiv, im richtigen Körperbau, der look, ein hook, ein privater, eigener, das Konto gefüllt, die Rente gesichert oder privat nachgerichtet, skypen zoomen kommunizieren facen liken wischen tindern daten Sie, zu Hause alles happy, die drei gesch… Säulen der Zufriedenheit, mit der Liebe alles Bestens, im Bett klappt es so wie Sie sich vorstellen, und sonst sprechen Sie darüber, die Kids blendend geraten, Sport machen Sie und reisen und kochen und tibetische Yogaübungen und die Gehaltsverhandlungen, selbstbewusst, Sie sind, Sie sind eine Macherin, ein Macher, ein Flieger, eine Fliegerin, Sie sind, warum lesen Sie uns mich denn? Die Redakteurin sitzt verzweifelt und schmeisst Blatt um Blatt in den Papierkorb. Den virtuellen – versteht sich. Diesen Text kann ich nicht schreiben, ich kann ihn noch nicht mal denken! Ich kann diese Einladung. Oder doch. Dieses Heft For You. For Me.
Ich sitze hier, spiegle mich in Bodentiefen Fenstern und versuche für Sie draussen up to dates zu finden. Während mein Magen wegen dieser verdammten 16 zu neun Diät in Krämpfen festhängt. Soviel Ingwertee kann ich gar nicht trinken, dass ich diesen Hunger nicht mehr spüre. Nein, es geht mir nicht besser. Meine Haut sieht noch genauso aus wie vorher, und seit wir jetzt die selbstbewusste Frau ab 50 sind, oder ab 45 oder ab 39, muss mir das natürlich auch noch egal sein, während alle um mich herum gespritz sind, oder sich spritzen wollen, und ich mich auch demnächst gerne spritzen würden, tuen wir so als wenn das alles kein Problem mehr wäre. Wie bin ich hier gelandet? Wieso ist das alles ein Problem? Oder bin das nur ich? Ich könnte jammern meckern einen Jogginganzug im Gesicht und der ist nicht kuschlig oder öko.
Wieso bin ich BLOND? Wieso? Wieso habe ich die Körperfrage nach all den Jahrzehnten nicht gelöst? Wieso habe ich vorhin in dem Gespräch so gekiechert? Warum empfinde ich Scham, während Boris Johnsontrumparschloch keinen empfindet? Warum erkläre ich mich andauernd? Warum redet keiner mehr über Einsamkeit? Ich bin auch keine Redakteurin, ich bin noch nicht mal. Ich habe nicht mal einen ordentlichen Beruf. Ich bin das was ich mache. Ich bin alleinerziehend, Bitte was, warum bin ich so doof, warum mache ich das alles? Wieso bin ich hier gelandet obwohl ich ein Kind der Achtziger und einer emanzipierten starken Frau war. Wieso habe ich meine Tochter gestern runtergemacht. Wieso kaufe ich nachher ein tolles Essen für den nicht vorhandenen Kindsvater ein?

Vulva, Vulvas, Vulvat…

wie sie versuchte, eine Heldinnen-Geschichte mit dem weiblichen Geschlechtsteil zu schreiben und sehr früh stolperte….

Vorarbeit zur Opelschen Vulva-Bibel und Opels Vulva-Erzählungen, dem Game of Vulvas, die als Vaginen-Story angekündigt war.
Da, wo nichts ist, das Loch, die Abwesenheit des Penis, nur die nachgeordnete Hülle für dieses allgegenwärtige Symbol der Macht, überall da soll in meiner Bibel Heldin werden.
Das hatte ich mir so vorgestellt: Im Alten Testament windet sich die Vagina im Urschleim des Archaischen, sie schlägt sich mit dunklen Mächten herum, so Auge-um-Auge-mäßig und vorzivilisiert. In Bildern dunkelrot und schleimig, ein orgiastisches Gewusel. Gut und Böse gibt es noch nicht, nur die Allheit des Seins. Meine Vagina wird im Umgang mit all dem gedemütigt, geprüft, letztlich gestählt. Sie reift zu einer wundervoll vielblättrigen, zu einer starken, gefestigten Heldin heran.
Für das Neue Testament – plötzlich gibt es einen Horizont und den aufrechten Gang – kann sie sich „neu erfinden“. Sie ist neu erfunden. Ich erfinde sie neu.
Ich sehe sie vor mir, diese Vagina, wie sie als Lichtgestalt mit Heiligenschein auf der Bildfläche der Menschheitsgeschichte auftaucht. Bestimmt, weise und auf sympathische Art anders als die anderen. Sie wird zum Symbol einer ganzheitlichen Liebe, sie ist Jesa Christa. Sie wird Wunder vollbringen an den Siechen und Zerschlagenen. Eine Spur der Liebe und des Friedens schmückt den Weg ihrer sanften Sohlen. Immer wieder wird sie versucht werden, vom Mamon, vom Mannon. Sie wird Anflüge von Schwäche zeigen, sich fangen, sich bewähren. Nach den Regeln der Erzählkunst. Der Schluß ist zu wichtig, als dass ich ihn hier schon andeuten könnte.
Ich muss für heute passen. DENN: Bei der Recherche-Vorarbeit dieser großen Story bin ich über die korrekte Bezeichnung meiner Heldin gestolpert:
Va-Gi-Na, diese drei Silben werden zu Unrecht für das Ganze des Geschlechts verwendet! Vagina ist weniger als Vulva, sie ist das innere Geschlecht, das unsichtbare, das, was wir als Scheide bezeichnen. Die Autorinnen und Kulturwissenschaftlerinnen Liv Strömquist und Mithu Sanyal klären und erzählen uns das und auch, warum wir unser Geschlecht so schlecht kennen und benennen. Sie erzählen von der bewegten Kulturgeschichte, aus der Unkenntnis und Sprachverwirrung resultieren.
Aus einem in vorchristlicher Zeit gefeierten lebensspendenden, hochgeschätzten Organ, das auf Kultgegenständen großzügig dargestellt wurde, ist im Bürgertum die tabuisierte, versteckte, unsichtbare Scham geworden. Pssst!
Im Jahr 2020 wird die Vulva in einer Wissenschaftssendung als „Terra Incognita“ bezeichnet. Niemand – nur sehr wenige Expertinnen- weiß genau, wie sie aussieht und wie ihre einzelnen Teile zu nennen sind.
Bevor ich also zum Eigentlichen kommen kann, zur Ausarbeitung der Geschichte um die wunderbare Vulva (!) – die ich nun möglicherweise auch etwas anders denken muss – erlege ich mir Denk- und Sprachübungen auf:
Vulvo, vulvas, vulvat, vulvamus, vulvatis, vulvant!

Editorials hoch 3

  • DER GROSSE UMBAU
    oder Ein gesellschaftliches MAKEOVER in dem Männer die Welt wieder irgendwann bewegen und verändern werden, aber anders. Die Stunde der Frauen hat geschlagen. Nie gab es so viele gut ausgebildete, kluge, selbstbewusste, mutige Frauen wie heute. Und Männer werden die Welt sicher wieder bewegen und verändern, sagt man, irgendwann, aber anders, nicht mehr alleine.
“Es ist heutzutage… DER GROSSE UMBAU weiterlesen
  • Editorial
    Dieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden,… Editorial weiterlesen
  • Editorial Miss
    Herzlich willkommen zum tiefergelegten Genderjournal. Ein Buch für Sie und Ihn und Sihn. Und ein Versuch, das Morgen der Geschlechterjustice herbeizuschreiben und herbeizubildern. Mit Mode und Schminktipps jenseits von Mann und Frau. Wie konnte das aussehen und wie könnte sich das anfühlen?Welche Outfits und Rezepte brauchen wir für eine Zukunft, die nicht auf binär basiert,… Editorial Miss weiterlesen