Chezminismus-Roulette

Editorial Miss

Herzlich willkommen zum tiefergelegten Genderjournal. Ein Buch für Sie und Ihn und Sihn. Und ein Versuch, das Morgen der Geschlechterjustice herbeizuschreiben und herbeizubildern. Mit Mode und Schminktipps jenseits von Mann und Frau. Wie konnte das aussehen und wie könnte sich das anfühlen?
Welche Outfits und Rezepte brauchen wir für eine Zukunft, die nicht auf binär basiert, eine Welt ohne gegenseitige Ausbeutung? Was meinen Sie, ginge das auch, eine Welt zu denken, ohne Unterwerfung und Ausbeutung? Oder ist das naiv? Zu viel des Optimierungsdrangs oder nicht doch genau das. Eben nicht über die Fingernagelmode von heute schwadronieren, sondern ganz was anderes. Aber Mode auch nicht abräumen. Das nicht, Mode ist gut und wunderbar, wozu würden wir sie brauchen in diesem Morgen?
„Würden sie mit ihm ausgehen, wenn er nicht reich wäre?“ wurde Melania gefragt, als sie Donald zu daten begann. “Würde er mit mir ausgehen, wenn ich nicht schön wäre?“ antwortete sie.
Wir wollen Frauen und andere Nichtmänner in den Hauptrollen sehen. Wir besprechen „Jackie und das Königreich der Frauen“ und schreiben Rollen für die Zukunft.

Vulva, Vulvas, Vulvat…

wie sie versuchte, eine Heldinnen-Geschichte mit dem weiblichen Geschlechtsteil zu schreiben und sehr früh stolperte….

Vorarbeit zur Opelschen Vulva-Bibel und Opels Vulva-Erzählungen, dem Game of Vulvas, die als Vaginen-Story angekündigt war.
Da, wo nichts ist, das Loch, die Abwesenheit des Penis, nur die nachgeordnete Hülle für dieses allgegenwärtige Symbol der Macht, überall da soll in meiner Bibel Heldin werden.
Das hatte ich mir so vorgestellt: Im Alten Testament windet sich die Vagina im Urschleim des Archaischen, sie schlägt sich mit dunklen Mächten herum, so Auge-um-Auge-mäßig und vorzivilisiert. In Bildern dunkelrot und schleimig, ein orgiastisches Gewusel. Gut und Böse gibt es noch nicht, nur die Allheit des Seins. Meine Vagina wird im Umgang mit all dem gedemütigt, geprüft, letztlich gestählt. Sie reift zu einer wundervoll vielblättrigen, zu einer starken, gefestigten Heldin heran.
Für das Neue Testament – plötzlich gibt es einen Horizont und den aufrechten Gang – kann sie sich „neu erfinden“. Sie ist neu erfunden. Ich erfinde sie neu.
Ich sehe sie vor mir, diese Vagina, wie sie als Lichtgestalt mit Heiligenschein auf der Bildfläche der Menschheitsgeschichte auftaucht. Bestimmt, weise und auf sympathische Art anders als die anderen. Sie wird zum Symbol einer ganzheitlichen Liebe, sie ist Jesa Christa. Sie wird Wunder vollbringen an den Siechen und Zerschlagenen. Eine Spur der Liebe und des Friedens schmückt den Weg ihrer sanften Sohlen. Immer wieder wird sie versucht werden, vom Mamon, vom Mannon. Sie wird Anflüge von Schwäche zeigen, sich fangen, sich bewähren. Nach den Regeln der Erzählkunst. Der Schluß ist zu wichtig, als dass ich ihn hier schon andeuten könnte.
Ich muss für heute passen. DENN: Bei der Recherche-Vorarbeit dieser großen Story bin ich über die korrekte Bezeichnung meiner Heldin gestolpert:
Va-Gi-Na, diese drei Silben werden zu Unrecht für das Ganze des Geschlechts verwendet! Vagina ist weniger als Vulva, sie ist das innere Geschlecht, das unsichtbare, das, was wir als Scheide bezeichnen. Die Autorinnen und Kulturwissenschaftlerinnen Liv Strömquist und Mithu Sanyal klären und erzählen uns das und auch, warum wir unser Geschlecht so schlecht kennen und benennen. Sie erzählen von der bewegten Kulturgeschichte, aus der Unkenntnis und Sprachverwirrung resultieren.
Aus einem in vorchristlicher Zeit gefeierten lebensspendenden, hochgeschätzten Organ, das auf Kultgegenständen großzügig dargestellt wurde, ist im Bürgertum die tabuisierte, versteckte, unsichtbare Scham geworden. Pssst!
Im Jahr 2020 wird die Vulva in einer Wissenschaftssendung als „Terra Incognita“ bezeichnet. Niemand – nur sehr wenige Expertinnen- weiß genau, wie sie aussieht und wie ihre einzelnen Teile zu nennen sind.
Bevor ich also zum Eigentlichen kommen kann, zur Ausarbeitung der Geschichte um die wunderbare Vulva (!) – die ich nun möglicherweise auch etwas anders denken muss – erlege ich mir Denk- und Sprachübungen auf:
Vulvo, vulvas, vulvat, vulvamus, vulvatis, vulvant!

Penisneid und vermischtes.

Mein Vater hat einen, mein Bruder hatte einen, also musste ich auch einen haben.
Klar. Keinen zu haben, war eben ein Mangel. Da fehlte was. Viel später, als Erwachsene hatte ich dann gelesen, dass Freud Frauen den Penisneid angedichtet hat, aus seinem pensizentriertem Weltbild heraus. Ich hatte den Penisneid aber, bevor ich Freud buchstabieren konnte. Meinem Vater habe ich viel von meinem Penis erzählt und auch die verschiedenen Verstecke verraten, wo ich ihn lagere.
Mein Vater hat meine damalige Besessenheit von diesem Thema und Objekt sehr ernst genommen und war ein guter Gesprächspartner. Ich habe mir dann angewöhnt, im Stehen zu pinkeln und schnell feststellen müssen, dass ich an der Technik arbeiten muss, wenn ich mit der Strahlweite meines Bruders mithalten will. Der Zeigefinger meiner rechten Hand diente mir fortan als Hakenhilfsmittel, mit dem ich in den oberen Rand der kleinen Schamlippe fasste und diese maximal nach oben zog. Mit dieser Technik konnte ich absolut mithalten, ich gewann sogar den ein oder andere Weitpinkelwettbewerb gegen meinen Bruder. Irgendwann haben meine Eltern mich dann zum Psychologen geschickt, nicht nur wegen des Penisneids, nein, da waren noch andere Sachen nicht ganz richtig justiert und so muss ich den Neid in Sitzungen mit einem Mann (sic!) überwunden haben. Erinnern kann ich mich an keine einzige Sitzung beim Psychologen. Später gab es noch zwei Dinge, die mich penismässig beeindruckten: Der harte, der errigierte Penis und das Abspritzen. Der harte Penis gefiel mir gar nicht. Er veränderte den Penis, den ich kannte, grundlegend. Nix war beim Alten, kein Stein blieb auf dem anderen, das war Trickbetrug vom Feinsten. Ich stellte mir immer vor, dass meine Brüste so was hinlegten. Kaum öffnet ein Mann meine Bluse, mutieren meine Brüste zu harten, nach oben stehenden, pulsierenden Dingern, Rohren, die jede Weichheit verlieren. Wow, was wäre denn da los? Das Abspritzen hat mich einfach nur noch genervt, weil Männer selbst beim Sex materielle Erfolge heimfahren, während man Frauen fragt, ob sie denn schon gekommen wären. Ich wollte auch sichtbare Erfolge, Materielles, Beweise. Über diese himmelschreiende Ungerechtigkeit bin ich eigentlich bis heute stinksauer.

Editorials hoch 3

  • DER GROSSE UMBAU
    oder Ein gesellschaftliches MAKEOVER in dem Männer die Welt wieder irgendwann bewegen und verändern werden, aber anders. Die Stunde der Frauen hat geschlagen. Nie gab es so viele gut ausgebildete, kluge, selbstbewusste, mutige Frauen wie heute. Und Männer werden die Welt sicher wieder bewegen und verändern, sagt man, irgendwann, aber anders, nicht mehr alleine.
“Es ist heutzutage… DER GROSSE UMBAU weiterlesen
  • Editorial
    Dieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden,… Editorial weiterlesen
  • Editorial Miss
    Herzlich willkommen zum tiefergelegten Genderjournal. Ein Buch für Sie und Ihn und Sihn. Und ein Versuch, das Morgen der Geschlechterjustice herbeizuschreiben und herbeizubildern. Mit Mode und Schminktipps jenseits von Mann und Frau. Wie konnte das aussehen und wie könnte sich das anfühlen?Welche Outfits und Rezepte brauchen wir für eine Zukunft, die nicht auf binär basiert,… Editorial Miss weiterlesen