Chezminismus-Roulette

Editorial

Dieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden, da wo Sie sein wollen, Beruflich erfolgreich, attraktiv, im richtigen Körperbau, der look, ein hook, ein privater, eigener, das Konto gefüllt, die Rente gesichert oder privat nachgerichtet, skypen zoomen kommunizieren facen liken wischen tindern daten Sie, zu Hause alles happy, die drei gesch… Säulen der Zufriedenheit, mit der Liebe alles Bestens, im Bett klappt es so wie Sie sich vorstellen, und sonst sprechen Sie darüber, die Kids blendend geraten, Sport machen Sie und reisen und kochen und tibetische Yogaübungen und die Gehaltsverhandlungen, selbstbewusst, Sie sind, Sie sind eine Macherin, ein Macher, ein Flieger, eine Fliegerin, Sie sind, warum lesen Sie uns mich denn? Die Redakteurin sitzt verzweifelt und schmeisst Blatt um Blatt in den Papierkorb. Den virtuellen – versteht sich. Diesen Text kann ich nicht schreiben, ich kann ihn noch nicht mal denken! Ich kann diese Einladung. Oder doch. Dieses Heft For You. For Me.
Ich sitze hier, spiegle mich in Bodentiefen Fenstern und versuche für Sie draussen up to dates zu finden. Während mein Magen wegen dieser verdammten 16 zu neun Diät in Krämpfen festhängt. Soviel Ingwertee kann ich gar nicht trinken, dass ich diesen Hunger nicht mehr spüre. Nein, es geht mir nicht besser. Meine Haut sieht noch genauso aus wie vorher, und seit wir jetzt die selbstbewusste Frau ab 50 sind, oder ab 45 oder ab 39, muss mir das natürlich auch noch egal sein, während alle um mich herum gespritz sind, oder sich spritzen wollen, und ich mich auch demnächst gerne spritzen würden, tuen wir so als wenn das alles kein Problem mehr wäre. Wie bin ich hier gelandet? Wieso ist das alles ein Problem? Oder bin das nur ich? Ich könnte jammern meckern einen Jogginganzug im Gesicht und der ist nicht kuschlig oder öko.
Wieso bin ich BLOND? Wieso? Wieso habe ich die Körperfrage nach all den Jahrzehnten nicht gelöst? Wieso habe ich vorhin in dem Gespräch so gekiechert? Warum empfinde ich Scham, während Boris Johnsontrumparschloch keinen empfindet? Warum erkläre ich mich andauernd? Warum redet keiner mehr über Einsamkeit? Ich bin auch keine Redakteurin, ich bin noch nicht mal. Ich habe nicht mal einen ordentlichen Beruf. Ich bin das was ich mache. Ich bin alleinerziehend, Bitte was, warum bin ich so doof, warum mache ich das alles? Wieso bin ich hier gelandet obwohl ich ein Kind der Achtziger und einer emanzipierten starken Frau war. Wieso habe ich meine Tochter gestern runtergemacht. Wieso kaufe ich nachher ein tolles Essen für den nicht vorhandenen Kindsvater ein?

Die Penis-Monologe.

Gesine erzählt vom Stranderlebnis mit wichsenden Männern, die sich welche runtergeholt haben und dem wichsenden Hausmeister, bei dem sie sich darüber beschweren wollte. Ich schwadroniere über die Idee, eine Vagina auf eine Heldinnenreise zu schicken. Den Phallussymbolen etwas entgegenhalten. Bibel, Ursprung der Welt von Liv Strömquist und die koreanische Künstlerin, die ein vaginaförmiges Kanu gegossen und damit umhergefahren, dann aber wegen Sittenwidrigkeit belangt wurde. (Film: Female Pleasure)
Tabuthema Masturbation, Alma referiert: Mädchen kriegen Brüste und ihre Tage, Jungs fangen an zu wichsen. Unter Mädchen ist das eher kein Thema / Tabuthema. Unter Jungs ist das eine Standardtätigkeit, die man halt macht. Sabrina berichtet von ihrer rammelnden Hündin. Nein, da muss nicht unbedingt was reingesteckt werden, damit es Spaß macht. Immer noch, so auch Alma, arbeite man sich an der Frage des vaginalen oder klitoralen Orgasmus ab.
Hausaufgabe: Text schreiben über Penisse (Gesine?) und oder Vaginen (Anna) Exkurs zum affigen Brustgetrommel eines Suhrkamp-Autors. Und wie präsentiere ich meine Erfolge? Ich habe dafür keinen eindeutigen Weg. Manche Dinge wären mir halt peinlich. Muss mich immer etwas überwinden davon zu sprechen oder gar zu prahlen.
Weibliche Lust und die gesellschaftliche Ambivalenz ihr gegenüber. Negieren oder sie fürchten und bekämpfen.
Thema Schauspielerinnen: Anna berichtet von ihrer Lektüre des Buches von Renate Möhrmann 1988, Schauspielerin ist anrüchig, erster Erwerbsberuf für Frauen, Gleichberechtigung in der Theatertruppe.
Herbert Fritsch wird erst als Regisseur für seriös gehalten. Das gilt also generell für das fahrende Volk.
Schauspielerinnen heute sind und bleiben Objekte und dem Sexismus am Theater ausgesetzt (Beispiel Rosmair/Eidinger), bieten sich aber auch immer wieder an, machen Karriere auch im Bett…
Sabrina: Der Künstler schreibt Titten-SMS und die Gleichstellungsbeauftragte pfeift sie zurück.
Gesine: Mit Frauen wird Emotionalität verbunden, dabei sind es oft Männer, die eine Diskussion oder einen beruflichen Kontakt emotional unterfüttern und ihre family pictures schicken. Sabrina: hat das nicht eher was mit der Aufweichung der Grenze zwischen Job und Privat zu tun, wie sie für die neoliberalen Arbeitsverhältnisse symptomatisch sind? (Designer-Jogginghosen in der Chefetage als besonderes Privileg derer, die es geschafft haben.)

Editorials hoch 3

  • DER GROSSE UMBAU
    oder Ein gesellschaftliches MAKEOVER in dem Männer die Welt wieder irgendwann bewegen und verändern werden, aber anders. Die Stunde der Frauen hat geschlagen. Nie gab es so viele gut ausgebildete, kluge, selbstbewusste, mutige Frauen wie heute. Und Männer werden die Welt sicher wieder bewegen und verändern, sagt man, irgendwann, aber anders, nicht mehr alleine.
“Es ist heutzutage… DER GROSSE UMBAU weiterlesen
  • Editorial
    Dieses Heft ist für Sie mich uns alle Brigitte Karen Woman Max Missi. Wir lieben Sie. Ja. Wir werden geliebt. Das ist sicher. Wir fangen mit einem Wortspiel einer persönlichen Anekdote, irgendwas was Sie reinzieht zu uns, nein, am besten Trick 1 einer rhetorischen Frage an Sie, sind Sie, nein Sie sind bestimmt glücklich, zufrieden,… Editorial weiterlesen
  • Editorial Miss
    Herzlich willkommen zum tiefergelegten Genderjournal. Ein Buch für Sie und Ihn und Sihn. Und ein Versuch, das Morgen der Geschlechterjustice herbeizuschreiben und herbeizubildern. Mit Mode und Schminktipps jenseits von Mann und Frau. Wie konnte das aussehen und wie könnte sich das anfühlen?Welche Outfits und Rezepte brauchen wir für eine Zukunft, die nicht auf binär basiert,… Editorial Miss weiterlesen